Crashtest

Neuer IIHS-Seitencrash – die Mittelklasse ist zu unsicher

Ein neues Verfahren des IIHS-Instituts in den USA hat die Bedingungen für den Seitencrash verschärft. Das Ergebnis ist verheerend. Nur mehr ein Fahrzeug besteht mit der Note gut, alle anderen Mittelklasse-Limousinen fallen im Test durch.

Veröffentlicht am 09.08.2022

Die Schlagzeile der IIHS, kurz für Insurance Institute for Highway Safety, eine von der Versicherungsbranche finanzierte gemeinnützige Organisation zum Testen der Fahrzeugsicherheit, wiegt schwer: Nur eine getestete Mittelklasse-Limousine schneidet mit der Note „gut“ ab. Grund dafür ist ein verändertes Testverfahren.

Erhöhtes Testgewicht und höhere Geschwindigkeit sorgen für Probleme

Nur der aktuelle Subaru Outback 2022 erhielt die Bestnote im neuen Seitencrashtest, der nun mit höherem Schlittengewicht und höherer Aufprallgeschwindigkeit auf der Fahrerseite durchgeführt wird. Der Hyundai Sonata und der Volkswagen Jetta erhielten die Note "Akzeptabel". Aber bereits hier wurden höhere Belastungen des Beckens und des Torsos von Fahrer und Beifahrer gemessen.

Chevrolet, Toyota und Nissan als mangelhaft eingestuft

Gleich drei Modelle, der aktuelle Toyota Camry, der Nissan Altima und der Chevrolet Malibu mussten sich mit der Note „mangelhaft“ begnügen. Bei ihnen ist die Sicherheit für die Passagiere im neuen Verfahren nicht mehr ausreichend und die Fahrgastzelle hält den Belastungen nicht stand, was für ein stark erhöhtes Verletzungsrisiko sorgt.

Kleine und kompakte SUV schneiden deutlich besser ab

Bei den Tests von kleinen und mittelgroßen Crossover-SUVs erhielten 10 von 18 SUVs die Note "Gut", keiner wurde mit "Schlecht" bewertet. "Bei Fahrzeugen, die niedriger als der Boden sitzen, trifft das auftreffende Hindernis höher auf die Türverkleidung", sagte IIHS-Präsident David Harkey in einer Erklärung. "Das benachteiligt Limousinen und Kombis in dieser Bewertung möglicherweise, spiegelt aber wider, was in einem realen Unfall passiert, wenn diese Fahrzeuge von einem höher sitzenden Pickup oder SUV getroffen werden."

Mehr schwere SUV sorgen für nötige Anpassung der Prozeduren

Nachdem die IIHS die letzte Novellierung der Prozeduren vor 15 Jahren durchführte, trägt die Verschärfung des Tests nun vor allem dem geänderten Kundengeschmack Rechnung. SUV und Trucks beherrschen nicht nur in den USA das Strassenbild. Und auch die gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeiten liegen trotz gesteigertem Verkehrsaufkommen höher. Eine Kombination, die vor allem im Unfalle unangenehme Folgen hat.

Ein nun 1,9 Tonnen schwerer Crash-Schlitten prallt mit 60km/h in sein Gegenüber

Beim ursprünglichen Test wurde eine 1‘500kg schwere Barriere bei einer Geschwindigkeit von 50km/h auf die B-Säule des Fahrzeugs gelenkt. Beim neuen Test wird eine 1‘900kg schwere Barriere verwendet und eine Aufprallgeschwindigkeit von 60km/h. Das IIHS hat außerdem die Aufprallfläche der Barriere so umgestaltet, dass sie an einem tieferen Punkt auftrifft, da viele Geländewagen heute eine niedrigere Motorhaube haben.

Neuer Test dürfte für grundlegende Anpassungen auch in Europa sorgen

Noch fliesst der neue Test nicht in die Gesamtbewertung der Fahrzeuge ein. Nach den alten Regularien hätten alle Mittelklasse-Limousinen die Höchstwertung erhalten. So zeigt sich vor allem, dass zum Erlangen der 5-Sterne-Wertung in Zukunft grundlegende Änderungen in der Karosserie-Struktur vollzogen werden müssen. Man darf gespannt sein, ob neben der IIHS auch die NHTSA und die Euro-NCAP die Standards für die Crash-Sicherheit erhöhen.

Text: ai Online Redaktion
Bilder: IIHS, NHTSA

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