Sommerpneus

Reifentest - Es gibt Überraschungen

Wir vergleichen drei unterschiedliche Goodyear-Reifen: Eagle F1 Asymmetric 6, EfficientGrip Performance 2 und Eagle F1 SuperSport, jeweils auf einem BMW 530e xDrive Touring. Es gab einige Überraschungen.

Veröffentlicht am 28.07.2023

Reifen müssen den unterschiedlichsten Anforderungen standhalten. Auf den ersten Blick scheinen sie zunächst eines dieser profanen Alltagsprodukte zu sein, die uns selbstverständlich vorkommen. Sie sind vorhanden, aber wir verschwenden wenig Gedanken an sie. Warum auch, schliesslich erfüllen sie brav ihren Job – rund, schwarz und prall gefüllt mit Luft. Doch nur wenige Fahrzeugteile haben einen so direkt wahrnehmbaren Einfluss auf das Fahrverhalten wie die Pneus. Sie müssen hohe Beschleunigungs- und Bremskräfte umsetzen und sollen gleichzeitig bei unterschiedlichen Wetterbedingungen den sicheren Kontakt zur Strasse garantieren.

Auf der anderen Seite müssen die Pneus in jeder Hinsicht wirtschaftlich sein. Heisst billig in der Anschaffung und langlebig sowie einen möglichst niedrigen Rollwiderstand bieten, um Moscht zu sparen. Gleichzeitig sollten sie einen entsprechenden Komfort bieten. Es gibt schliesslich im Fahrzeuginneren nichts Schlimmeres, als zu hören, wie sich das Profil seinen Weg bahnt.

Neue Reifen nach 40'000 km

Statistisch gesehen kann man nach rund 40'000 Kilometern oder nach dreieinhalb Jahren sein Geld in einen neuen Satz Sommerreifen investieren. Doch das Angebot ist gross und wird sich durch die chinesischen Gummis weiter vergrössern. «Die werden irgendwann ebenfalls im Premiumbereich auftauchen. Es gibt bereits Vorentwicklungen», weiss TÜV-Süd-Experte Michael Stamm. «Kommen sie so in den Markt, haben die Pneus durchaus das Potenzial, oben mitzuspielen. Doch den Namen Premium müssen sich die Hersteller erst verdienen. Und das nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Profilen. Ein guter Sprinter ist nicht automatisch ein guter Marathonläufer.»

Vier Nass- und zwei Trockendisziplinen

Heisst, wer etwas auf sich hält, muss Reifen für die unterschiedlichsten Kundenbedürfnisse – angefangen bei der Wirtschaftlichkeit, der Sportlichkeit bis hin zur Langlebigkeit – im Portfolio haben. Von den drei Goodyear-Testkandidaten ist der Asymmetric 6 der Allrounder. Ihn kann man sowohl auf der Rennstrecke als auch auf der Strasse einsetzen. Der EfficientGrip Performance 2 ist dagegen auf Wirtschaftlichkeit und hohe Laufleistung ausgelegt. Und wer auf Sportlichkeit aus ist, greift zum SuperSport.

Ausgelegt als HP- (EfficientGrip), UHP-(Asymmetric 6) oder UUHP-Reifen (SuperSport) wartet jeder dieser Pneus mit entsprechenden Stärken auf. Genau die galt es beim Test herauszufahren. Der BMW 530e xDrive – ein Allrounder, der alle drei Probanden fahren kann – diente als Versuchsträger, der Asymmetric 6 als Referenzreifen. Sechs fahrdynamische Disziplinen – vier auf nassem und zwei auf trockenem Untergrund – standen für die Probanden auf dem Programm. Zusätzlich wurde die Rollwiderstandsmessung in den Prüflabors des TÜV Süd durchgeführt.

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Hauteng ging es bei den Messungen des Längsaquaplanings zu. Alle Kandidaten verloren bei vergleichbaren Geschwindigkeiten die Bodenhaftung im Aquaplaningbecken. Dabei lagen zwischen dem Asymmetric 6 (80,4 km/h) und EfficientGrip 2 (81,9 km/h) nicht mal zwei km/h, der SuperSport begann mit 80,9 km/h zwischen den beiden zum surfen.

Starker Bremsperformer

Ein völlig anderes Ranking kristallisierte sich beim Nassbremsen heraus. Mit 28,7  Metern Bremsweg von 80 km/h bis zum Stillstand setzte der Asymmetric 6 als Topperformer eine Bestmarke, die sich wahrlich sehen lassen konnte. Erst recht, wenn man einen Blick auf die Restgeschwindigkeiten wirft, die die beiden anderen Pneus noch abzubauen hatten, als der Asymmetric schon stand. So rauschte das mit dem EfficientGrip bezogene Fahrzeug noch mit 26,1 km/h vorbei, während der SuperSport noch 23,9 km/h auf dem Tacho hatte. Genug, um einen Kinderwagen abzuräumen oder einem Fussgänger einen Krankenhausaufenthalt zu verschaffen.

Seine hervorragende Bremsform untermauert der Asymmetric 6 auch im Trockenen. «Der Wert von 31,5  Metern zeigt, dass er gerade am Schluss der Bremsungen zur Hochform aufläuft», sagt TÜV-Süd-Experte Michael Stamm. «Von 100 bis 45 km/h ist es noch ein normales Trockenbremsen. In den niedrigen Geschwindigkeitsbereichen verkeilt er sich dann nochmals förmlich im Asphalt. Bei den beiden anderen Kandidaten ist es ein konstantes ABS-Runterbremsen.» Pierre Jadin, Technical Project Manager Goodyear: «Die Aufstandsfläche sensitiver zu entwickeln, stand bei der Entwicklung des Reifens mehr im Vordergrund, als das bei den Mitbewerbern der Fall ist.

Testeindrücke im Video

Der EfficientGrip mit 35,2  Metern spielt da schon in einer anderen Liga – auch von der Dynamik her. Er passt einfach nicht so gut zum 5er-BMW. Etwas enttäuscht bin ich ebenfalls vom SuperSport, von dem jeder dachte, dass er etwas kürzer bremst.» Erst recht, wenn man die Restgeschwindigkeiten der beiden gegenüber dem Referenzreifen unter die Lupe nahm. Die stiegen beim EfficientGrip gegenüber den Nassbremsungen nochmals weiter auf 32,5 km/h an, während sich die des SuperSports leicht verbesserten.

Spielverderber ESP

Ab geht es in den mit 42  Metern Durchmesser grossen Kreis. Hier waren die Differenzen ebenfalls deutlich. Die Rundenzeiten sahen zwar nicht spektakulär unterschiedlich aus, aber dennoch konnten Unterschiede herausgefahren werden. Rund fünf Zehntel war der EfficientGrip trotz der ständigen Eingriffe des nicht komplett abschaltbaren ESP des BMWs immer noch langsamer als der 18  Zoll grosse Referenzreifen. Es wäre mit Sicherheit noch schneller gegangen. Nässe war auch nicht gerade das Metier des SuperSports, der zwar nah an den Asymmetric 6 herankam, aber doch 0,5 km/h langsamer war. Gerade in Sachen Seitenführung machte keiner der beiden anderen Pneus dem Referenzreifen etwas vor. Träger setzt ebenfalls der EfficientGrip 2 die Lenkeingriffe um. Die werden vom 19  Zoll grossen SuperSport präziser und spontaner realisiert. Da spielt natürlich auch die Reifenbreite eine entscheidende Rolle.

Das Nasshandling auf dem 1700  Meter langen Rundkurs war für alle Beteiligten vom Ergebnis her eher enttäuschend. Die drei Testkandidaten lagen von den Rundenzeiten her einfach zu nahe beieinander. Hier hätten wir etwas anderes erwartet. Das war ebenfalls dem Fahrzeug mit seinen teils wirren ESP-Eingriffen geschuldet. Abermals glänzt der Asymmetric 6 mit den schnellsten Rundenzeiten und der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit. Kein Wunder, vermittelte er doch dem Lenker ein sicheres Fahrgefühl.

BMW 330e Touring im Test!

Und auch punkto Seitenführung stellte er seine beiden Konkurrenten in den Schatten. Gut eine Sekunde nahm er beispielsweise dem SuperSport ab – pro Runde wohlgemerkt. Das ist im Motorsport schon eine kleine Ewigkeit. Auf dem nassen Untergrund fühlte sich der UUHP-Reifen nur teilweise wohl. Geriet er an seine Grenzen, würde er das wahrscheinlich mit gutmütigem Untersteuern quittieren. Wenn das nicht abermals durch das einsetzende ESP verhindert worden wäre. So war es kaum möglich, das Verhalten des Reifens im Grenzbereich zu erfahren. Mit einer weiteren Sekunde Rückstand folgte der EfficientGrip. Er verrichtete zwar brav seinen Job, doch sind schnelle Rundenzeiten nicht gerade sein Metier. Sobald sich der Reifen versuchte auf den Seitenflanken abzustützen, um wenigstens etwas Halt zu finden, war auch sofort schon wieder das ESP zur Stelle, um den Fünfer zur Räson zu rufen.

SuperSport spielt Trümpfe aus

Das gleiche Szenario spielte sich auch auf dem drei Kilometer langen Rundkurs beim Trockenhandling ab. Immer durch das im Hintergrund arbeitende ESP eingebremst blieb es einem verwehrt, das komplette Leistungspotenzial der Reifen abrufen zu können. Dennoch spielte der SuperSport hier sein Qualitäten aus. Er überzeugte mit guter Seitenführung, stabilem Geradeauslauf und gutem Einlenkverhalten. So nahm er mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit dem Asymmetric 6 rund 1,2  Sekunden ab.

Der EfficientGrip kam dagegen schnell an seine Grenzen. Die rundum abgeschliffene Seitenflanke zeugte einmal mehr davon, dass das Trockenhandling nicht gerade seine Stärke ist. Dafür ist er aber auch nicht konstruiert. Er ist vielmehr auf Wirtschaftlichkeit, heisst geringer Rollwiderstand, hohe Laufleistung und Effizienz, ausgelegt. Zwischen dem EfficientGrip und dem SuperSport siedelt sich in dieser Disziplin der Asymmetric 6 an, der einen guten Mix aus Wirtschaftlichkeit und Sportlichkeit darstellt. Traktionsverluste waren auf jeden Fall bei keinem der drei Reifen festzustellen.

EfficientGrip 2 wird seinem Namen gerecht

Punkto Wirtschaftlichkeit, insbesondere dem Einfluss auf den Spritverbrauch, schlägt dann die Stunde des EfficientGrip 2. Als einziger bei der Energieeffizienz mit A gelabelt, zeigt er, dass er das «Efficient» zurecht trägt. Die Energieeffizienz eines Pneus wird ja über den Rollwiderstand bestimmt, der neben dem Luftwiderstand die stärkste Einflussgröße auf den Fahrwiderstand und somit den Kraftstoffverbrauch darstellt.

Die Messungen wurden im Prüflabor von TÜV Süd durchgeführt. Zur besseren Vergleichbarkeit der leicht unterschiedlichen Traglasten der drei Reifen übrigens alle bei identischen Konditionen, angenähert an Luftdruck und Radlasten des Testfahrzeugs. Hier fuhr der 17-Zöller im Vergleich zu den beidenKonkurrenten einen deutlichen Vorsprung ein. Sein rund 16 Prozent niedrigerer Rollwiderstand im Vergleich zum Asymmetric 6 kann im realen Fahrbetrieb gemäss einen Verbrauchsunterschied von rund drei Prozent ausmachen. Der noch grössere Abstand zum SuperSport schlägt sogar mit rund sechs Prozent geringerem Verbrauch zu Buche. Für Sparfüchse ist der 17-Zoll-HP-Reifen gegenüber seinen breiteren und sportlicheren Brüdern somit als spritsparendste Variante zweifellos die erste Wahl. Heisst: «Man kann zwar alle drei Reifen auf dem Fünfer-BMW fahren, muss aber teilweise Kompromisse eingehen», hält TÜV-Süd-Experte Michael Stamm am Ende des Reifentests fest.

Fazit von Jörg Petersen, Leiter Test & Technik auto-illustrierte
In Sachen Wirtschaftlichkeit und Langlebigkeit hat auf alle Fälle der 17-Zöller die Nase vorn. Das gilt im Übrigen auch für den Rollwiderstand, der beim SuperSport in 19-Zoll-Grösse deutlich höher ausfällt. Kein Wunder, ist er doch als UUHP-Reifen für 20 Prozent Rundstrecke und 80 Prozent Strasse ausgelegt. Den besten Kompromiss stellt der Asymmetric 6 dar, der sowohl punkto Sportlichkeit und erst recht beim Bremsen punktet.

Text: Jörg Petersen
Fotos & Video: Markus Kunz/auto-illustrierte

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