Mutterkonzern von NEVS alias Saab und Hengchi

Wie pleite ist Evergrande?

Die Eigentümer der Saab-Nachfolge-Firma NEVS will die Reste der schwedischen Automobil-Ikone verkaufen. NEVS gehört zum chinesischen Immobilien-Giganten Evergrande, der über 280 Milliarden Franken Schulden hat und vor der Pleite steht. Kürzlich hat Evergrande hingegen Berichte über erfolgreiche Tests der eigenen Elektromarke Hengchi verbreitet und baut neue Produktionsstätten. Wer hat da noch den Druchblick?

Veröffentlicht am 20.10.2021

Die Überreste der schwedischen Automobilmarke Saab, die inzwischen in der Elektromarke "National Electric Vehicle Sweden" (NEVS) aufgegangen sind, stehen zum Verkauf. NEVS-Eigentümer ist die chinesische Immobilien-Gruppe Evergrande, die hoch überschuldet ist und dringend frisches Kapital benötigt.

Der Mutterkonzern Evergrande sei mit mehr als 1,96 Billionen Renminbi völlig überschuldet – das entspricht 282 Milliarden (!) Schweizer Franken – und damit von der Pleite bedroht. 
 
NEVS übernahm 2012 die Überreste von Saab, nachdem das Ersatzteilgeschäft zuvor ausgegliedert worden war. In der nordchinesischen Stadt Tinjian baut NEVS seit 2019 auf Basis des früheren Saab 9-3 einen Elektro-PW.



Der ehemalige Saab 9-3 als vollelektrischer NEVS 9-3 in der ursprünglichen Version:

 

Und als Facelift:





In Europa hat NEVS aber nahezu nichts mehr mit dem früheren Autobauer zu tun. Vielmehr hat NEVS in Schweden das Mobilitätssystem PONS entwickelt, ein autonom fahrendes Ride-Sharing-Netzwerk, das für kleinere Räume wie Innenstädte oder den Campus einer Universität gedacht ist.

NEVS-Vorstandschef Stefan Tilk sagte der Nachrichtenagentur Reuters in Schweden, NEVS selbst habe noch finanzielle Ressourcen "für einige Zeit", man stehe aber in Gesprächen mit Finanzinvestoren und industriellen Investoren über einen Verkauf. Interessiert seien vor allem europäische und US-amerikanische Unternehmen. Eine Kaufsumme nannte er nicht.

 

Widersprüchliche Aktivitäten

Bei Evergrande Auto werden gemäss dem Insider-Portal "Saabblog.net" hingegenVorbereitungen zum Produktionsbeginn von Elektroautos der Marke Hengchi getroffen. Sie absolvieren ihre letzten Testzyklen. Im Jahr 2022 soll die Produktion der E-Autos im großen Umfang laufen, meldete der Hersteller. Vor einigen Tagen wurden Hengchi 1, 3, 5, 6 und 7 für finale Sommertests freigegeben. Die Wintertests fanden in Schweden, Österreich, Deutschland und China statt.



Das aktuell bekannte Hengchi-Portfolio:

Das Unternehmen verfügt über eine eigene Produktion. Um die Batterien auf den neuesten technischen Standard zu haben, warb man das Entwicklerteam eines koreanischen Wettbewerbers ab. Die Aktion verursachte einigen Ärger in Korea und dürfte finanziell anspruchsvoll gewesen sein. Ob sie sich gelohnt hat, wird man in einigen Monaten sehen können.

Evergrande will im November 2021 mit der Produktion des Modells Hengchi 5, einem SUV, im Werk Tianjin beginnen. Zudem sind Fabriken in Shanghai und Guangzhou im Entstehen. Sollte der Immobilienkonzern aufgrund dem drohenden Platzen der Immobilienblase in China Pleite gehen, dürften sich auch die Autopläne schnell in Luft auflösen ...

Text: Stefan Fritschi und automobilwoche.de
Fotos: NEVS, Hengchi

 

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