CES 2022

Elektronikmesse CES 2022 – neue Auto-Hersteller

Auf der CES in Las Vegas zeigen neue Hersteller, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Die exotischen Autobauer kommen mit interessanten Ansätzen.

Veröffentlicht am 08.01.2022

Kleine Stände, wenig Autos. Bei der Consumer Electronic Show (CES) haben Autohersteller eigentlich wenig zu melden. Doch es wird mehr. Vor allem ein Elektronikriese ist der Star der Messe (Sony, siehe hier). Nach einem Jahr Pause startete am 5. Januar 2022 wieder physisch die grösste Digitalmesse Consumer Electronics Show (CES). In der Spieler- und Messestadt Las Vegas zeigten über 4500 Aussteller bis zum 7. Januar ihre Neuheiten, setzen Trends und geben einen Ausblick in die Zukunft. 2021 fand die Messe nur als reine Online-Veranstaltung statt, dieses Jahr wieder in Präsens. Auch wenn einige Hersteller nur ein paar Tag vorher ihr Kommen wegen der Omikron-Variante abgesagt haben.
 
Doch die Überraschungen kamen eh von den neuen Unternehmen. Und die waren vor Ort. Neben Elektronikkonzernen wie Sony präsentieren einige noch junge Autohersteller ihre technischen Neuheiten. Die Themen der Elektronikmesse: Digitalisierung, Internet der Dinge, autonomes und elektrisches Fahren und Vernetzung.

VinFast

Der neue vietnamesische Elektro-Autohersteller VinFast will sein Modellprogramm ausbauen und sucht einen Produktionsstandort in Deutschland. Das gab der neue Hersteller auf der CES bekannt. Unterstützt wird das Unternehmen dabei von der deutschen Aussenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest (GTAI). «Die Zeiten sind vorbei, Autos über die halbe Welt zu verschiffen», sagte CEO Le Thi Thu Thuy. 2024 soll eine Fabrik in den USA entstehen, wenig später eine in Deutschland, hoch gehandelt wird derzeit Thüringen. Die Vietnamesen geben mächtig Strom: In Hai Phong hat die Marke eine hochautomatisierte Produktion aufgebaut, anfangs für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Verbrenner soll es aber künftig nicht mehr geben.

Vor wenige Wochen präsentierten sie auf der L.A. Autoshow die beiden elektrischen Modelle VF 8 (damals noch als e35) und VF 9 (e36), nun folgen gleich drei neue Modelle VF 5, VF 6 und VF 7. Die Elektrofahrzeuge VF 8 und VF 9 arbeiten beide mit einem 408 PS starken E-Motor. Während der 4,75 Meter lange VF 8 auf eine Batterie mit 86 kWh setzt, steckt im 5,12 Meter langen VF 9 ein Akku mit 95 kWh Kapazität. Das soll für eine Reichweite von 550 Kilometer sorgen. Das Design der SUV stammt von Pininfarina, Ex-Opel-Chef Michael Lohscheller schob das neue Unternehmen ein paar Monate mit an. Ende des Jahres wurden die ersten Autos mit einer zehnjährigen Garantie (oder 200.000 Kilometer Laufleistung) in Vietnam verkauft. Künftig bietet VinFast die Batterie zur Miete an. Preise nannte VinFast für Deutschland noch nicht, die Autos sind ab Frühjahr aber bestellbar und sollen Ende des Jahres ausgeliefert werden.

Togg

Als erster türkischer Hersteller will Togg alles anders machen als bisherige Autohersteller. Das Konsortium aus fünf führenden türkischen Unternehmen (Anadolu Group, BMC, K?raça Holding, Turkcell und Zorlu Holding) plant kein Auto, sondern ein rollendes Unterhaltungsgerät. Togg bedeutet Türkiye'nin Otomobili Giri?im Grubu (TOGG). Schwerpunkt bei der Entwicklung liege nicht beim Auto, sondern bei der Elektronik und einem passenden Ökosystem. Dieses soll schneller und natürlicher arbeiten als bisherige automotive Systeme und mit neuen Mobilitätslösungen ergänzt werden.
Das Design der künftigen Autos kommt von Pininfarina, die Entwicklungsexpertise von einem namhaften Zulieferer. Togg will für seine Fahrzeuge zwei verschiedene Akkus anbieten: eine Lithium-Ionen-Batterie für entweder über 300 oder mehr als 500 Kilometer. Als Antriebe dienen ebenso zwei Varianten: Beim Basismodell arbeitet eine 203-PS-Elektromaschine an der Hinterachse, in der höheren Variante kommt eine gleichstarke E-Maschine an der Vorderachse hinzu.

Der Innenraum bietet dann Platz für fünf Personen, die auf digitale Instrumente und Displays blicken und die sich mit dem Smartphone und anderen elektronischen Geräten verbinden lassen. Zudem soll das Infotainment-System Augmented-Reality-Funktionen bieten. Togg plant mit dem ersten Fahrzeug, einem kompakten SUV, noch Ende des Jahres im Werk in Gemlik. Zuerst für den türkischen Markt, später auch für europäische Märkte wie Deutschland. Bis 2030 will das Unternehmen fünf vernetzte Elektrofahrzeugmodelle auf einer gemeinsamen Architektur bauen.

REE Automotive Leopard

Das Start-up-Unternehmen aus Israel zeigt auf der CES den Kleintransporter Leopard. Der fährt elektrisch und autonom. Auf der selbstentwickelten und flexiblen Technik-Plattform REEboard lassen sich Länge und Breite des Chassis variieren. Möglich wird das durch die eingesetzten Radnabenmotoren. Bei einer Länge zwischen 2,90 bis 3,50 Meter und 1,20 bis 1,80 Meter Breite soll der fahrerlose Leopard bis zu 7,5 Kubikmeter Ladung und bis zu 750 Kilogramm transportieren können. Für die sogenannte letzte Meile, dem Zustellen von Paketen vor Ort, sind die kompakten Masse ebenso interessant wie der kleine Wendekreis von nur 3,90 Metern. Als Antrieb dient ein E-Motor mit 136 PS, die Batterie fasst 50 kWh. REE Automotive will auf der CES die Vorteile der Plattform zeigen, eine Serienfertigung plant das Unternehmen derzeit nicht. Zudem erweitern sie gemeinsam mit Hino Motors ihre gemeinsame Vision der zukünftigen Elektromobilität auf die Entwicklung von Data-as-a-Service und Ladeinfrastrukturlösungen.

Text: Fabian Hoberg

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